Orientierungswissen: Folien zum Thema Lernstörungen und Lernbehinderungen

Begriffe

Lernschwierigkeit

Lernschwäche

Schulschwäche

Lernstörung

Lernbehinderung

Definition von Lernbehinderung

nach Bach:

Lernbehinderungen sind schwerwiegende, umfängliche und langandauernde Lernbeeinträchtigungen.

‘schwerwiegend’, weil leistungsbezogen mehr als ein Fünftel unter dem Regelbereich liegend,

‘ umfänglich’, weil mehrere Lernbereiche umfassend,

‘lang andauernd’, weil eine Angleichung an den Regellernbereich in zwei Schuljahren voraussichtlich nicht möglich ist.

Aktuellere Definition:

“… eine besonders drastische Form der Lernstörung, … ist für Kinder reserviert, die tiefgreifende Schwierigkeiten beim Lernen in der Schule haben und trotz angemessener Lernangebote nicht die notwendigen Lernergebnisse (z.B. Lesen, Rechnen, Schreiben, Lernhaltungen) erreichen” (Lauth, 2000, 21).

Davon abzugrenzen sind weniger schwerwiegende, partielle und temporäre Beeinträchtigungen, die unter den Begriff der Lernstörungen fallen.

Klassifikation

Es geht eigentlich um ein Kontinuum schulischer Minderleistungen:

Nicht-Zurechtkommen mit einer Lehrperson oder einer Unterrichtsmethode,

schlechte Noten in einzelnen bzw. mehreren Fächern,

Sitzenbleiben bzw. Abgang von der Schule ohne Abschlusszeugnis,

Scheitern in fast allen schulischen Lernbereichen, wozu Lernbehinderungen zu zählen wären.

Klassifikation nach der ICD 10:

Kombinierte Störung schulischer Fähigkei-ten (F81.3) bzw. nicht näher bezeichnete Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten (F 81.9)

Verbreitung

Schülerpopulation der Primarstufe und Sekundarstufe I: etwa 2,4 % (Förderschüler von insgesamt 4,3% der Gesamtschülerpopulation)

Jungen überrepräsentiert: 60%. (in den Neuen Bundesländern noch ausgeprägter)

(auch mehr Jungen als Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss)

(Jungen bleiben häufiger sitzen.)

Überrepräsentanz von Kindern und Jugendlichen von Eltern nicht-deutscher Muttersprache

berreprsentanz von Kindern und Jugendlichen von Eltern nicht-deutscher Muttersprache

berreprsentanz von Kindern und Jugendlichen von Eltern nicht-deutscher Muttersprache

berreprsentanz von Kindern und Jugendlichen von Eltern nicht-deutscher Muttersprache

Ursachen

Soziologisch: Nicht-Entsprechung gesellschaftli-cher Erwartungen, Folge sozio-kultureller und ökonomischer Benachteiligung (anregungsarmes Milieu, Erziehungsmängel) und damit Folge schichtspezifischer Selektion und letztlich - in marxistischer Sicht - kapitalistischer Produktions-verhältnisse

Bio-sozial: negative konstitutionelle, genetische Vorbedingungen, speziell als minimale cerebrale Dysfunktionen (in den USA ausschl.)

Wechselwirkung: genetische und Umweltbedingungen (‘soziales Erbe’). Also Wechselwir-kungsbedingungen aus personalen, sozio-kulturellen und organischen Faktoren

Merkmale bei Lernbehinderungen

Intelligenzpotenzial: IQ-Grenzziehung in den USA: IQ 70; in früheren Jahrzehnten: IQ 90, Deutscher Bildungsrat (1974) IQ-Band 85 - 55; eingebürgert hat sich als Grenzwert der IQ-Bereich, der 1 bis 2 Standardabweichungen unter dem mittleren IQ von 100 liegt, also IQ < 85.

Schulleistungsdefizite:Probleme bei der geschrie-benen und gesprochenen Sprache, im Rechnen etc.

Metakognitive Defizite

Aufmerksamkeitsprobleme bzw. ADHD

Emotionale Probleme

Soziale Skilldefizite

Merkmale bei Lernstörungen

treten in den Bereichen Zuhören, Sprechen, Lesen, Schreiben, Denken oder in den mathematischen Fähigkeiten auf.

deutliche Diskrepanz zwischen dem Lernpotenzial und der tatsächlichen Leistung eines Schülers;

Ausschluss von anderen Faktoren wie Sinnesschä-digungen, geistiger Behinderung;

Nachweis eines besonderen Förderbedarfes.

Leseschwächen: Auslassungen, Ergänzungen, Ersetzungen, Umstellungen, aber auch Speicherprobleme

LRS in der gesprochenen Sprache, bei der Worterkennung und beim Buchstabieren

Diagnostik

Leistungsdiagnostik: Intelligenztests (LPS, IST, HAWIK, K-ABC);

Schulleistungsdiagnostik (z.B. Allgemeiner Schulleistungstest AST, Schulleistungstest-Batterie für Lernbehinderte SBL)

Funktionstests, betr.: einzelne psychische Funk-tionen, z.B. Gedächtnis-, Wahrnehmungstests, psychomotorische Testverfahren.

Die Persönlichkeitsdiagnostik dient der Aufklärung psycho-sozialer Auffälligkeiten.

Fragebögen (z.B.: Angstfragebögen, HANES)

Anamnesen, Explorationen und Interviews,

Verhaltensbeurteilungen mit Symptomlisten und

Verhaltensbeobachtungen

Besondere Interventionen

Metakognitionsansatz, bei dem es um Gedächtnisfunktionen, Strategiegebrauch und um Metakognitionen geht: Schüler lernen, wie sie effektiver lernen können. Eine solche Lernstrategie besteht in der Regel aus drei Teilen:

Informationsaufnahme, Informationsabspeicherung und Informationswiedergabe, bei der die Schüler demonstrieren, dass sie die vermittelten Inhalte verstanden haben.

Computereinsatz: abhängig von Ressourcen, Anleiterkompetenz und Software. Vorteilhaft in den Bereichen Problemlösen, Rechtschreibtraining und in Mathematik erwiesen. (>>)

Computereinsatz: +
- 1: 1 - Schüler-‘Anleiter’(Lehrer)-Relation,
- auf den Schüler abgestimmte Lerngeschwindigkeit,
- positiven Motivation auf Schülerseite, pos. Verstärker
- Erledigung von ansonsten wenig ansprechenden Übungsaufgaben,
- Kompensation von Lerndefiziten,
- Anbindung an vorhandene Curricula.

Computereinsatz: -
- personaler Beziehungsaspekt entfällt,
- die Ressourcen verschlingende Technologie belastet andere wichtige Bereiche (wie Schulbibliothek, Musikinstrumente),
- der Computerbildschirm vermittelt kaum wichtige dreidimensionale, taktile, kinästhetische, also sinnliche Erfahrungen,
- der Lernende wird seiner konkreten sozialen Erfahrungswelt entfremdet und in eine virtuelle Realität geführt.

Schulische Förderung I

Institutionsbezogen:

Förderinstitutionen: integrative allgemeinbildende Schule und separierte Förderschule (”Allgemeine Förderschule”)

In manchen Bundesländern gesamte Klassenspektrum 1-9 bzw. 10, in Brandenburg und Berlin neuerdings erst ab Klasse 3 (”Flexible Eingangsstufe”). – Bisher: Halbtageseinrichtungen.

Klassenfrequenz: 1997 bei 11,9 Schülern (übrige Sonderschulformen: 7,1 - 8,6).

Schüler-Lehrer-Relation: im Mittel mit 8,7 (übrige Sonderschulformen im Mittel 5,1), nur mit einer Lehrkraft versehen.

Schulische Förderung II

(Umstrittene) Funktionen
Schonraumfunktion
Sammelbeckenfunktion
Heilpädagogische oder gemeinschaftserziehende Funktion,
Leistungsfunktion,
Vorsorgefunktion,
Funktion eines ‘Auffangnetzes’, Entlastungsfunktion,
Funktion einer Durchgangsschule,
Angebotsschule.

Schulische Förderung III
Unterricht
keine besondere Didaktik, sondern spezielle Akzentsetzungen bzw. Akzentverlagerungen.
Lebensverhältnisse des Schülers sind systematisch in das Curriculum einzubeziehen.
Curricular
Lernbereiche Sprache (Zuhören, Wortschatz, mündlicher Ausdruck, Syntax und Grammatik),
Lesefertigkeiten
Schriftsprache
Rechnen
Weiterer Fächerkanon (Naturkunde, Biologie, etc.)

Schulische Förderung IV

Unterrichtsmethodik

Außendifferenzierung (bedeutet, dass ein Schüler unterschiedlichen Lerngruppen zugeordnet wird, im Prinzip aber in seiner Klasse verbleibt).

Binnendifferenzierung heißt, dass beim Prozess des Unterrichtens auf die besonderen Lernschwierig-keiten Rücksicht genommen wird (z.B. in Form von Lehrerhilfe, Veränderung des Anforderungsniveaus, der Anforderungen, Differenzierung nach Neigungen und Interessen, nach Lernwegen und Lernarten usw.)

Weitere Gesichtspunkte: Bereitstellung zusätzlicher Lernzeit, gekürzter Lernstoffe, kooperativer Modelle, veränderter Placierung des Schülers im Klassenraum.

Schulische Förderung V

Bei Lenproblemen von Schülern in Ihrem Unterricht sollten Sie sich diese Fragen stellen:

- Ist zu viel Information angeboten worden? (Abhilfe: Informationen wiederholen, Verhaltenshilfen geben).

- Waren die angebotenen Informationen zu komplex? (Abhilfe: Informationen vereinfachen).

- Haben die Schüler adäquates Vorwissen? (Abhilfe: Basiswissen ‘nachliefern’).

- Ist der Inhalt für Schüler interessant und relevant genug? (Abhilfe: keine Langeweile aufkommen lassen; überprüfen, ob geplante Inhalte pädagogisch zu rechtfertigen sind).

- Ist das Lernangebot zu undurchsichtig organisiert? (Abhilfe: Neuorganisation des Stoffes).

- Sind die Inhalte zu abstrakt? (Abhilfe: konkreter).

Integrative Beschulung I

Probleme:

Lehrpläne der Allgemeinen Schule sehen zielgleichen Unterricht vor.

Trend, dass die Zahl der lernbehinderten Schüler und der Sonderschulüberweisungen sich nicht nur nicht reduziert, sondern sich im Gegenteil vermehrt hat.

Integration auf den Sekundarstufen ist nach wie vor ein ungelöstes Problem, zumal auf der Sekundarstufe zielgleiches Lernen betrieben wird.

Integrative Beschulung II: Konzepte

Zweitlehrersystem, Team-Teaching, kooperative Unterrichtung, Peer-Tutoring, Elternarbeit

Den Eltern ist zu vermitteln,

-verständliche, einfache Anweisungen zu geben,

- die Aufmerksamkeitsspanne zu berücksichtigen,

- den optimalen Tageszeitpunkt für Hausaufgaben heraus finden,

- kreative Hilfen für das Vermitteln bzw. Behalten neuen Materials geben,

- Fehler des Kindes in positiver Weise korrigieren,

- Arbeitssitzungen in erfreulicher Atmosphäre,

-Tätigkeitsverstärker für erledigte Hausaufgaben.

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