Sonderpädagogisches Orientierungswissen: Folien der Einführungsveranstaltungen
Bezeichnungen des Arbeitsbereiches
Behindertenpädagogik
Integrations-, Inklusionspädagogik
Rehabilitationspädagogik
Heilpädagogik
Förderpädagogik
Sonderpädagogik
Sonderpädagogische Fachrichtungen
Blindheit und Sehbehinderungen,
Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit,
Körperbehinderungen,
geistige Behinderung,
Schwerst- und Mehrfachbehinderung, Sprachbehinderungen,
Lernstörungen und Lernbehinderungen,
Hochbegabungen, Verhaltensstörungen, berufliche Rehabilitation
Altersgemäß abgestufte Bildungsangebote
Frühbereich: 0 bis 3,
Elementarbereich: 3. bis 6. Lebensjahr,
Schulbereich: Primarstufe und Sekundarstufe I. Altersgruppen 6 - 15 bzw. 18 Jahre.
Sekundarstufenbereich II (ab 15 bzw. 18 Jahre)
Tertiärer Bereich (Erwachsenenalter, ab 21 Jahre)
Schweregrade
Behinderungen (umfänglich, schwer, langfristig),
Störungen (partiell, weniger schwer, kurzfristiger),
Gefährdungen (Einschränkung individueller Dispositionen)
nach ICDH:
disorder (‘Störung’)
disability (‘herabgesetzte Fähigkeit’)
handicap (Behinderung)
Behinderung sozialrechtlich 1
Behindert zu sein, bedeutet sozialrechtlich, der sozialen Hilfe bedürftig zu sein, die darauf abzielt, den Zustand zu verbessern, Verschlimmerungen zu verhüten bzw. Folgen zu mindern - Eine Einforderungskategorie aufgrund abweichender körperlich-seelischer Funktionsbeeinträchtigungen über einen mindestens sechsmonatigen Zeitraum.
Behinderung sozialrechtlich 2
Im Rahmen des BSHG ein Rechtsanspruch auf Eingliederungshilfe (auf der Grundlage des Schwerbehindertengesetzes)
Davor steht ein Verwaltungsakt auf der Grundlage einer Begutachtung mit dem die Bedürftigkeit dadurch attestiert wird, dass der Grad der Behinderung (”GdB”) in einer Prozentangabe angegeben wird. Ein GdB von 50 wird i.d.R. bei Vorliegen einer Schwerbehinderung zuerkannt.
Verbreitung von Behinderungen 1
Volkszählung aus 1995: etwa 10% der Bevölkerung definiert sich als behindert. Schwerbehindertengesetz: etwa 8% (‘behindert’ = GdB über 50 v.H. mit SchwerbehindertenausweisDie häufig genannte Zahl von 6,6% unterschätzt das tatsächliche Vorkommen, leichtere Behinderungen, Behinderungen bei Kindern und älteren Menschen gehen nicht ein (Dunkelziffer).
Verbreitung im Schulalter:
1987 besuchten 4.2% der Schülerpopulation eine Sonderschule,
davon machten mit 2.45 % Lernbehinderungen den größten Anteil aus. Die Fortschreibung dieser Statistiken bis in das Jahr 2002 zeigt ein stetiges Ansteigen der absoluten und relativen Zahlen von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.
Definitionen
“Als behindert im pädagogischen Sinne gelten Kinder, Jugendliche und Erwachsene, deren Lernen und deren soziale Eingliederung erschwert sind” (Bleidick, 1992, S. 29).
Personen gelten gemäß der Definition des Bildungsrates als behindert, „die infolge einer Schädigung ihrer körperlichen, seelischen oder geistigen Funktionen so weit beeinträchtigt sind, dass ihr unmittelbaren Lebensverrichtungen oder ihre Teilnahme an der Gesellschaft erschwert werden” (Deutscher Bildungsrat, 1974).
Kritik
Denkmodell: ‘Behinderungsparadigma’: irreversible Manifestation einer Gesundheitsstörung; extreme Ausprägung von Krankheit, kausal bedingt, nach Schweregraden abstufbar; kausal-linear in Ursachen und Folgen
Soziale Folge: Behinderung = negatives soziales Etikett, Stigma, Minoritätenrolle, passiver Empfänger von Hilfeleistungen (‘Almosen’), Etikettierung von Schülern gemäß der vom Schüler besuchten (Sonder-)Schulform gegeben, z.B. als ‘Sonderschulbedürftiger’, als ‘Hilfsschüler’, wenn eine ‘Hilfsschule’ (= DDR-Bezeichnung) besucht wurde.
Derzeitiger Sprachgebrauch:
Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf
Dekategorisierung als Alternative
De- bzw. Non-Kategorisierungsbewegung, aus den USA kommend, Ziel: Abschaffung jeglicher Kategorisierung zugunsten der sozialen Inklusion. Argumente: Behinderungen in ‘reiner’ Form gäbe es gar nicht, vielmehr Mehrfachbehinderungen bzw. Komorbiditäten. Konsequenz: Ablehnung einer Diagnostik („Diagnostik - nein danke”), da jede Diagnostik klare sprachliche Bezeichnungen für Zustandsbilder, also Etikettierungen, erforderlich macht.
Alternative Begriffsbestimmung
ICF-Klassifikation (World Health Organization, 2001):
Behinderung als kontextabhängige und gesundheitsbezogene Einschränkung, eine Wechselwirkung zwischen einem Gesundheitsproblem und den Einflussgrößen ‘Rehabilitation’ definiert als Gesamtheit der Hilfen definiert, mit denen Schäden und Aktivitätsbeeinträchtigungen vorgebeugt und Partizipation erleichtert werden soll.
Einteilung:
Körperfunktionen und -strukturen (=Funktionsfähigkeit des Körpers)
Aktivitäten
Partizipation
Zur Diagnostik der körperlichen Funktionsstörungen und Strukturschäden kann ICD 10 eingesetzt werden.
Die Dimension Aktivität wird eingesch wird eingeschätzt, indem Handeln, die Ausführung normaler Alltagsaktivitäten, die Arbeit und das Spiel als Charakteristika menschlichen Daseins eingeschätzt werden. Störungen hinsichtlich der Aktivität werden “activity limitations” genannt und entsprechend beschrieben.
Die Partizipation betrifft die Beziehung zur sozialen und physikalischen Umwelt. In jedem Lebensalter manifestiert sich das Leben in Teilhabe und Beteiligung im jeweiligen Lebensumfeld. Umweltfaktoren können diese Teilhabe einschränken oder auch begünstigen.